Die Sonne scheint. Warm kitzeln ihre hellen Lichtstrahlen meine Haut. Ich liege auf einer Wiese im Halbschatten, über mir die Blätter und Zweige eines großen alten Baumes. Ein sanfter Wind lässt die Blätter rauschen und mir wird, als ob die Welt um mich verschwimmt, als ob ich fortgetragen werde in eine andere, eine fantastische Welt.
Die Gespräche um mich rücken in weite Ferne. Ich vergesse, was um mich geschieht und tauche ein in diese andere, in diese fantastische Welt meiner Fantasie. Ich treibe dahin auf meinen Gedanken, sie führen mich ohne dass ich weiß, wohin ich gelangen werde.
Vor mir ziehen Gesichter dahin. Menschen, die mir etwas bedeuten. Menschen, mit denen ich prägende Erlebnisse meines Lebens hatte. Ich sehe Situationen, die waren, die mir vor Augen treten, als ob ich sie jetzt in diesem Augenblick wieder erleben würde. Es sind schöne Erfahrungen, aber auch schlechte Erfahrungen drängen sich in mein Blickfeld.
Meine Stirn runzelt sich, Falten zeichnen sich ab und graben sich tief in meine Haut. Von Ferne höre ich Stimmen, die Fragen, ob alles in Ordnung sei. Doch ich reagiere nicht. Ich bin nicht da, nicht anwesend. Nicht wirklich.
Ich betrachte die Situationen, die mein Leben geprägt haben. Ich sehe, welche Macht sie noch heute auf mich ausüben, wie sie mein Handeln bestimmen. Wie sie beeinflussen, was ich denke und wie ich denke.
Aber nicht nur die negativen Erfahrungen haben diesen Einfluss auf mich. Nein, auch die positiven, die erfreulichen Erfahrungen stehen mir vor Augen und führen mir vor, zu wem sie mich gemacht haben.
Nicht immer sehe sie. Das Negative drängt sich nur allzugern in den Vordergrund, will sich aufspielen und wichtig machen. Will mir suggerieren, dass es viel mehr Einfluss hat als das Positive.
Oh welche Tragik in jenen Momenten steckt, in denen ich ihm Glauben schenke. Auf welchem Irrweg ich mich befinde, wenn ich ihm mehr Einfluss zugestehe als dem Positiven. Ja, zweifelsohne hat es Einfluss auf mich, prägt mich auf seine Weise, verführt mich zu düsteren Gedanken, lässt mich das Schöne und Friedliche vergessen, schürrt Hass und Zorn in meinem Herzen und verdrängt, was mir doch so viel wichtiger ist.
Bin ich ein Blatt im Wind? Ein Blatt von jenem Baum, dessen Blätter sacht im Wind rauschen?
Nein. Ich bestimme meine Gedanken. Und auch wenn sie allzugern versuchen selbstständig zu werden und sich meiner Kontrolle zu entziehen, so kann sie doch ordnen und lenken, wenn ich es will. Und ich kann den Gedanken, der sich mir als negativ und düster verkauft, wenden und aufbrechen und aus seinem Inneren das positive herausschälen, ihn reinigen und in ein neues Licht stellen.
Reine Esoterik? Oder Selbstreflextion. Ich weiß es nicht, vielleicht ein bisschen von beidem, was ja nicht unbedingt schlecht sein muss.

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„Hey, lass einen trinken auf Jesu Tod!“, meinte heute ein Freund zu mir und ich lächelte amüsiert. Dabei ist diese Aussage doch recht makaber. Schwarzer Humor, für manch einen unpassend und nicht angebracht. Man stößt auf das Leben eines anderen Menschen an, gerade und besonders dann, wenn er gestorben ist. In diesen Momenten erinnert man sich an die bleibenden gemeinsamen Momente und versucht auf diese Weise die Trauer um den geliebten Menschen zu bewältigen.

Wer kommt da auf die Idee, auf den Tod eines anderen Menschen anzustoßen? Was für ein Mensch muss da gestorben sein, dass man auf seinen Tod anstößt? Ein Tyrann? Ein zutiefst verachtenswerter Mensch? Ein Mensch, um den es nicht schade ist? Ganz so klingt es doch im ersten Moment.

Jetzt ließe sich die Vermutung äußern, dass besagter Freund in Jesus vielleicht genau einen solchen Menschen sieht. Vielleicht ist es für ihn mit einer gewissen Genugtuung verbunden, auf den Tod dieses Menschen anzustoßen. Doch erscheint mir das doch stark an der Intention dieser Aussage vorbeizugehen. Es würde mich wundern, sollte mein Freund tatsächlich ein solches Bild von Jesus haben.

Also doch nur ein makabrer Scherz ohne weitergehenden tieferen Sinn.

Doch davon vollkommen unabhängig, was nun die eigentliche Intention dieser Aussage war, führen mich die durch sie ausgelösten Irritationen zu einigen Überlegungen.

Denn wenn ich über diese Worte nachdenke, halten sie in ihrer Schlichtheit doch den Kern dessen bereit, was für einen Christen Quintessenz des Karfreitagsgeschehens ist: An Karfreitag erinnern wir uns an den Kreuzestod Jesu. Es ist ein Tag der Trauer, für seine Anhänger damals und für Christen heute. Es ist ein Tag des Erinnerns, dass kein Mensch fehlerfrei ist, dass jeder Schuld auf sich geladen hat. Und manche Schuld wiegt so schwer, dass kein Mensch sie uns von den Schultern nehmen kann. Der Kreuzestod Jesu jedoch, zeigt uns, dass es eben doch jemanden gibt, der uns unsere Schuld von den Schultern nehmen kann. Mehr noch, der sie auf seine eigenen Schultern nimmt und trägt. Er erträgt sie, wie groß sie auch sein mag, oder wie klein. Und er macht es in solch weitreichender Konsequenz, dass es ihn das Leben kostet. Aber nur, weil er diese letzte Konsequenz annimmt und sich ihr nicht verwehrt, wird daraus ein Opfer, dass Gültigkeit durch die Zeiten hinweg erlangt.

Und an dieser Stelle wird mir deutlich bewusst, dass wir allen Grund haben, auf Jesu Tod anzustoßen. Es mag makaber bleiben, doch ist es der Tod Jesu, der das Zeichen göttlicher Barmherzigkeit ist. Und auch wenn wir trauern, dass er am Kreuz den Tod finden musste, weil wir Menschen uns immer wieder schuldig machen, im Großen und im Kleinen, so sollten wir doch auch nicht aus den Augen verlieren, dass wir allen Grund zur Dankbarkeit haben, weil Gott uns in Jesu Tod in barmherziger Vergebung gegenübertritt.
Und so hebe ich mein Glas und stoße an auf den Tod Jesu!

Ich bin bei meiner Tante zu Besuch. Wir sitzen im Wohnzimmer, trinken Tee und unterhalten uns.
„Schau mal! Das ist der Kleine!“ Stolz zeigt sie mir ein Foto ihres kleinen Enkels. „Da ist er 5 Wochen alt. Goldig, oder?“
Seit meine Tante Großmutter geworden ist, bekomme ich bei jedem Besuch Bilder von ihrem Enkel gezeigt. Und jedes Mal sehe ich das Strahlen in ihren Augen, das glückliche Lächeln, wenn sie ihren Enkel betrachtet.
„Es ist schade, dass sie so weit im Süden wohnen. Wir würden sie gerne öfter besuchen! Er wächst so unglaublich schnell. Wir sind immer überrascht, wenn sie uns wieder neu Bilder schicken!“
Mir geht es genauso. Es erstaunt mich, wie schnell dieser kleine Junge Fortschritte macht. Die ersten Gehversuche. Die ersten Worte. Mit großen Augen erforscht er die Welt und jeden Tag entdeckt er etwas Neues.

Wie haben wohl Maria und Josef den kleinen Jesus wahrgenommen? Wahrscheinlich waren sie mächtig stolz auf ihren Sohn und haben jeden seiner Fortschritte genau beobachtet. Sie haben sich gefreut, bei seinen ersten Gehversuchen. Über seine ersten Worte. Und sie haben ihn geliebt, ihm Zuneigung entgegengebracht.
Sicherlich war ihnen auch bewusst, wer dieses Kind ist, welche Rolle ihm von Gott zugedacht war und vielleicht hat sie das manchmal verunsichert und beschäftigt.

In erster Linie war Maria aber bestimmt Mutter und hat in Jesus zuallererst ihren Sohn gesehen, der heranwächst – und wie der Enkel meiner Tante jeden Tag etwas neues in der Welt entdeckt.

In Die Bibel nach Biff einem Roman von Christopher Moore wird die Geschichte von Jesus aus der Sicht seines fiktiven Jugendfreundes Biff erzählt, der von früher Kindheit an mit ihm befreundet ist und deshalb viel über die Jugendjahre von Jesus zu berichten weiß.
Christopher Moore zeichnet einen Jungen Jesus, der durch und durch Mensch ist. Der mit anderen Kindern spielt. Der sich fragt, wie seine Zukunft aussieht. Gleichzeitig ist diesem Jungen aber auch schon bewusst, dass er der Erlöser ist oder zumindest einmal der Erlöser sein wird, wenn er groß ist. Manchmal fragt er sich, wie er eigentlich zum Erlöser wird und wie er das lernen kann, was er dazu benötigt. Ganz so wie sein Freund Biff lernt, Steinmetz zu werden.

Jesus lebt also ein mehr oder weniger normales Leben, begegnet anderen Menschen, macht zwischenmenschliche Erfahrungen, reift und wird erwachsen.

14 Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er’s gleichermaßen angenommen, damit er durch seinen Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel,
15 und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten.

Gott wird Mensch. Aber er tritt nicht als erwachsener Mensch in die Welt und tut, wozu er gekommen ist. Nein, er wird geboren als Kleinkind, erfährt Zuneigung und Liebe durch seine Eltern, wächst auf und durchläuft einen menschlichen Lebenszyklus.
Gleichermaßen wie die Kinder Fleisch und Blut annehmen als Voraussetzung, um die Abhängigkeit der Menschen vom Tod zu durchbrechen, heißt also mehr als nur menschliche Form anzunehmen.

Gott macht es sich nicht einfach. Er möchte das menschliche Leben durchdringen und vollständig nachvollziehen, was es heißt, Mensch zu sein. Das erst ermöglicht ihm, die Angst vor dem Tod, vor der eigenen Endlichkeit, zu begreifen. Und er erfährt am eigenen Leib bis ins radikale Ende hinein, was es heißt, Mensch zu sein, was es heißt, zu leben, zu leiden.

Und dadurch eröffnet sich den Menschen eine unmittelbare Beziehung zu Gott:

16 Denn er nimmt sich nicht der Engel an, sondern der Kinder Abrahams nimmt er sich an.

Er wendet sich unmittelbar den Menschen zu, ist einer von ihnen. Er verzichtet darauf als unnahbarer, distanzierter Gott in der Ferne zu bleiben. Er tritt mitten unter sie und wird als einer von ihnen wahrgenommen.

Sein Menschsein lässt ihn Verständnis entwickeln für die Menschen, lässt ihn barmherzig werden.
Christopher Moores Biff erzählt uns im Verlauf des Romans immer wieder Geschichten, in denen sein Freund Jesus lernt, Mensch zu sein und gleichzeitig Gottes Sohn zu sein. So versucht Biff ihm einmal zu erklären, was eigentlich Sarkasmus ist. Jesus versteht es nicht, weil er immer ehrlich antwortet, sagt, was er denkt und nicht auf ironische Weise ausdrückt, was er meint. Er muss erst lernen, Sarkasmus und Ironie zu erkennen und zu verstehen. Als Sohn Gottes nutzt er selbst sie jedoch nie.

17 Daher musste er in allem seinen Brüdern gleich werden, damit er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, zu sühnen die Sünden des Volkes.

Er durchläuft einen Lernprozess, in dessen radikaler Konsequenz er seinen Brüdern in allem gleich wird: Er lebt ein endliches Leben, an dessen Ende der Tod steht.

In dieser radikalen Konsequenz entwickelt er Barmherzigkeit und ist bereit, sich für die Menschen zu opfern und ihre Sünden für sie zu sühnen. Er wird Hoherpriester vor Gott, was nichts anderes heißt als: Gott wird Fürsprecher für die Menschen vor sich selbst. Gott wird Mittler zwischen sich und den Menschen.

Liebe Gemeinde,

Wir leben in einer Zeit der unbegrenzten Möglichkeiten. Wir können alles machen. Wir können an jeden Ort in der Welt reisen, um dort Urlaub zu machen. Die beruflichen Wahlmöglichkeiten sind so groß wie noch nie.

Wenn ich mich erkundige, welche Angebote es gibt, ein Studienjahr im Ausland zu machen, werde ich von der Masse an Möglichkeiten regelrecht erschlagen.
Dann gibt es diese Tage, an denen sich Termine und Veranstaltungen stapeln. Da stehe ich vor der Herausforderung zu entscheiden, wo ich hingehe und was ich absage. Da kommt schnell mal das Gefühl auf, dass man etwas verpasst, egal wie man sich entscheidet.

Kurz gesagt: Man bräuchte einfach mal ein bisschen mehr Zeit!

Wenn ich dann lese:

15 und [er] erlöste [die], die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten.

Finde ich mich genau in dieser Situation wieder. Nicht weil ich den Tod fürchte, sondern weil mir in diesen Momenten bewusst wird, dass mir nur eine begrenzte Zeit auf der Welt zur Verfügung steht. Und wenn ich dann das Gefühl habe, Zeit vergeudet zu haben oder nur von einem Termin zum nächsten zu hetzen, gewinne ich den Eindruck, gar nicht richtig zu leben.

So geht es wahrscheinlich jedem von uns immer mal wieder. Wenn wir in diesen Momenten zurückschauen, kann es schnell passieren, dass uns vor allem solche Situationen in den Sinn kommen, in denen wir uns falsch entschieden haben, in denen es nicht so gelaufen ist, wie wir es uns erhofft haben.

Wenn meine Tante zu mir sagt: „Es ist schade, dass sie so weit im Süden wohnen. Wir würden sie gerne öfter besuchen! Er wächst so unglaublich schnell. Wir sind immer überrascht, wenn sie uns wieder neue Bilder schicken!“, dann sagt sie damit zu mir, dass sie mehr Zeit mit ihrem Enkel verbringen möchte. Sie möchte seine Fortschritte mit-erleben.
Die Schwiegereltern haben daraus für sich die Konsequenz gezogen, auch in den Süden zu ziehen. Seitdem überlegen meine Tante und mein Onkel, ob sie das nicht vielleicht auch machen sollten.
In ein paar Jahren könnten sie bereuen, es nicht getan zu haben. Andererseits könnten sie es aber auch bereuen, ihr Haus und die vertraute Heimat aufgegeben zu haben, sollten sie sich dazu entscheiden.

Wie ich das Vergangene bewerte, hängt also entscheidend davon ab, welchen Blickwinkel ich einnehme und worauf ich mich fokussiere.

Interessant ist es da, wie Christopher Moore Jesus im Unterschied zu seinem Freund Biff beschreibt: Jesus sieht in diesen Momenten das positive. Biff das negative. Im Gespräch miteinander erkennen sie die Position des anderen.
Aber auch Jesus kennt Momente, in denen er sich wünscht, es hätte sich anders entwickelt. Das Matthäusevangelium erzählt uns, wie er Gott bittet, den bitteren Kelch an ihm vorüberziehen zu lassen, also nicht das eigene Leben opfern zu müssen. Er hofft auf eine andere Möglichkeit.
Und auch darin zeigt sich, wie sehr er Mensch ist.

18 Denn worin er selber gelitten hat und versucht worden ist, kann er helfen denen, die versucht werden.

Und daraus erwächst die Gewissheit, dass er mir helfen kann. Jesus ist der Erlöser, der mir aufzeigt, dass mein Leben einen Sinn hat. Er ist der Junge, der seinem Freund Biff die positive Sicht aufzeigt. Er macht mir klar, dass meine negative Sicht nicht die einzige Perspektive ist, aus der ich mein Leben betrachten kann. Selbst im Angesicht des eigenen Schicksals verharrt er nicht in Resignation, sondern stellt sich dem, was ihn erwartet.

Leben ist ein Lernprozess, geprägt durch Erfahrungen und Krisensituationen. Unser Charakter entwickelt sich mit jeder Erfahrung, die wir machen. Jede Begegnung verändert uns.
Genau diesen Lernprozess hat auch der kleine Jesus durchlaufen. Jede Erfahrung, jede Begegnung hat den Menschen Jesus verändert.

Wenn ich mich in einer Krisensituation an ihn wende, ist es die Gewissheit, dass auch Jesus Momente der Resignation hatte. Dass der Mensch Jesus jedesmal Wege aus der Resignation herausgefunden hat. Daraus erwächst die Überzeugung, dass Gott mich in meiner Situation ernst nimmt, dass er mich versteht und vor allem, dass er mir helfen kann, wieder aus ihr herauszukommen.

Wenn ich von Jesus spreche, spreche ich von ihm als Menschen, der unter Menschen gelebt hat und als Mensch gestorben ist.
Wenn ich von Jesus spreche, spreche ich aber auch von ihm als Gott, der in menschlicher Form unter Menschen gelebt hat, der aufgefahren ist in den Himmel, der auch heute in unserem Leben wirken kann.

Weil Jesus nicht nur Mensch, sondern auch Gott war, ist er für uns nicht nur ein Helfer in Situationen der Resignation oder ein Vorbild in der Lebensgestaltung.
Weil Jesus Gott war, konnte er den Tod besiegen, konnte, wie der Hohepriester alljährlich im Tempel das Sühneopfer für das gesamte Volk dargebracht hat, sich selbst opfern und die Sünden der Menschen vergeben.
Weil Jesus auch Gott ist, hat er überhaupt erst die Möglichkeiten uns auch heute noch zu helfen, in unserem Leben Bedeutung zu gewinnen und zu uns in Beziehung zu treten.

Christopher Moore zeichnet genau diesen Jesus nach. Einen Jungen und später einen Mann, der das Leben eines Menschen lebt aber, weil er Gottes Sohn ist, niemals sündigt, niemals in Anfechtung gerät. Er steht fest in seiner Überzeugung, Gottes Sohn zu sein und auf die Hilfe seines Vaters vertrauen zu können. Daran zweifelt er nie.
Genauso in der Situation des Matthäusevangeliums: Auch wenn er in diesem Moment mit seinem Schicksal hadert, so bleibt sein Gottvertrauen doch ungebrochen. Er legt sein Leben in Gottes Hand, vertraut darauf, dass sein Vater die richtige Entscheidung trifft.

Gerade in dieser absoluten Standhaftigkeit offenbart sich die Göttlichkeit im Menschen Jesus. Im Moment größter Verzweiflung wendet er sich nicht ab von Gott.

Ich kann das von mir nicht behaupten. Ich kenne viele Situationen, in denen ich zweifle, in denen mein Glaube wankt. Kennen Sie solche Situationen? Situationen in denen Sie Gott anzweifeln? Seine Gerechtigkeit? Überhaupt seine Existenz?

Zurück in unsere heutige Welt der unbegrenzten Möglichkeiten, die gar nicht so unbegrenzt sind. Schauen wir in die Wissenschaft, so werden uns Grenzen doch sehr genau aufgezeigt. Beweisbar, nachprüfbar müssen die Dinge heute sein. Wir verlassen uns auf das, was wir nachprüfen können, was bewiesen ist. Dann können wir sagen: Das ist so.

Das blinde Vertrauen, wie es uns Jesus zeigt, ist uns vielleicht etwas fremd geworden. Wir vertrauen nicht blind auf irgendetwas oder irgendjemand. Viel zu oft haben wir Enttäuschung oder Zurückweisung erfahren.

Auf der anderen Seite gibt es aber sehr wohl Menschen, denen wir vertrauen. In der Familie, im Freundeskreis oder auf der Arbeit. Wir kennen ihre Unzulänglichkeiten, ihre Fehler, aber wir vertrauen ihnen trotzdem.

Wem wir vertrauen, dem glauben wir. Wo Vertrauen ist, da muss nicht nachgeprüft werden. Da braucht es auch keinen Beweis. Vertrauen steht für sich selbst.

Und dann wird auch klar, wieso Jesus auch düstersten Moment seines Lebens auf seinen Vater vertraut. Dann wird klar, wieso er sich nicht vergewissern muss, dass sein Vertrauen nicht enttäuscht wird.

Das eröffnet uns die Möglichkeit, ihm nachzufolgen. Vielleicht müssen wir dazu blindes Vertrauen erst wieder einüben. Aber im Vertrauen auf Gott können wir uns gewiss sein, dass er uns helfend beisteht und jeden von uns kennt.

***

„Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“

Prezident – Der ewige Ikea (Musikvideo)

Gestern morgen hat ein guter Kumpel mir dieses Musikvideo zugeschickt. Ich hab es mir angeschaut und mein erster Gedanke war: Okay, was ist das?!
Aber irgendwie hat es mich fasziniert und ich hab es mir nochmal angeschaut. Warum? Weil da gesungen wird: „Denn wer nie so recht gelebt hat, dem ist auch kein rechter Tod vergönnt.“
Wenn man sich die Bilder des Musikvideos anschaut, wirkt das Ganze sehr pessimistisch und depri. Alles wirkt irgendwie trist, eintönig und langweilig. Das ist kein Ort, wo man nach dem Tod hinmöchte. Also lieber „richtig leben“. Aber was heißt das eigentlich? Was ist damit gemeint? Heißt das, dass ich jede Party und jedes tolle Event mitnehmen muss? Heißt das, dass ich so viel wie möglich von der Welt sehen und ständig etwas Neues erleben muss? Oder bedeutet „richtig leben“ etwas ganz anderes? Vielleicht ist damit gemeint, bewusst zu leben und auf die kleinen und unscheinbaren Dinge im Leben zu achten. In der Bibel ließt man: »Wem sein eigenes Leben über alles geht, der verliert es. Wer jedoch sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.« (Joh 12,25) Es ist also gar nicht gut, alles mitzunehmen, was geht. Mein Leben muss nicht perfekt sein und ich muss nicht überall dabeisein, um mitreden zu können und up to date zu sein. Das tut mir gerade unglaublich gut, denn es gibt so viele Dinge, von denen ich denke, sie nicht verpassen zu dürfen. Und ich merke, wie ich mich damit selbst nur unter Druck setze. Dabei muss das gar nicht sein und Jesus versucht genau das auszudrücken, wenn er meint, dass wir unser Leben verlieren, wenn es uns über alles geht. Viel wichtiger ist, auf die kleine Dinge zu achten, auf das, was um uns geschieht. Und wenn wir begreifen, dass wir nur ein kleiner Teil dieser Welt sind und deshalb nicht alles sehen müssen, dann steuern wir nicht auf die Trostlosigkeit zu, die im Musikvideo beschrieben wird, sondern können uns auf ein ewiges und erfülltes Leben freuen, das uns glücklich macht! Amen.

Wenn du mal wieder das Gefühl hast, den Halt zu verlieren, weil die Umstände dir suggerieren dass du nicht wahrgenommen wirst und in dir der Eindruck entsteht, dass du dazu verdammt bist, ewig alleine zu bleiben, vergisst du, dass du bei vielen Menschen bereits einen bleibenden Eindruck hinterlassen hast und es nur eine Frage der Zeit ist, bis du die Person findest, die dir gibt, wonach du im tiefsten inneren deines Herzens suchst. Du brauchst dir keine Gedanken um die Zukunft zu machen. Du bist sicher.

Unser Leben besteht aus Entscheidungen
Sie durchziehen unser Leben, prägen es, formen es
Wir müssen uns entscheiden, ob wir links gehen oder rechts,
zurückblicken oder nach vorne schauen.
Ob wir weitergehen oder stehen bleiben.

Unser Leben besteht aus Entscheidungen
Sie sind es, die unser Leben bestimmen.
Und wir müssen uns entscheiden,
Denn tun wir es nicht, werden wir von Ängsten und Zweifeln geplagt.
Sie zerfressen uns, reiben uns auf, zerstören uns.

Wir werden zu Schemen ohne Kontur,
verschwimmen in Bedeutungslosigkeit
verblassen in Sinnlosigkeit
werden überflüssig
wie tot.

Und dabei wollen wir doch leben,
wollen unserem Leben einen Sinn
wollen ihm Bedeutung geben
Unsere Ängste und Zweifel hinter uns lassen
Wir wollen Konturen in unserem Selbst erkennen.

Unser Leben besteht aus Entscheidungen
Immer und ununterbrochen treffen wir sie,
wählen den einen oder den anderen Weg
gehen links oder rechts
sagen ja oder nein.

Aber nicht alle Entscheidungen fallen uns leicht
wir zögern,
immer wieder zögern wir, zweifeln,
fürchten die Konsequenzen
und schrecken vor der Entscheidung zurück.

Wir schieben sie vor uns her
lenken uns ab, verdrängen sie aus unserem Blick
und fahren erschrocken zusammen,
wenn wir mit ihr konfrontiert werden.
Fühlen uns unsicher und fehlerhaft.

Stehe zu deinen Entscheidungen,
Ob sie nun gut oder schlecht waren.
Stehe zu dem Weg, den du eingeschlagen hast.
Ändere die Richtung, wenn es dir richtig erscheint
und bleibe dir treu in allem was du tust!

Der heutige Predigttext steht im zwölften Kapitel des Johannesevangeliums in den Versen 12 bis 19:

(12) Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme, (13) nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!

(14) Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): (15) »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.«

(16) Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so mit ihm getan hatte.

(17) Das Volk aber, das bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmte die Tat. (18) Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan.

(19) Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Liebe Gemeinde,

Es ist inzwischen sechs Wochen her, seit ich nach Hofheim in die Johannesgemeinde gekommen bin. Ich habe viele neue Menschen kennengelernt, viele bereichernde Erfahrungen gemacht und interessante Gespräche geführt. Mit herzlicher Offenheit wurde ich schnell in die Gemeinschaft aufgenommen und während ich selbst noch damit beschäftigt war, die Namen der vielen Menschen, die ich kennengelernt habe, zuordnen zu können, wussten die anderen längst schon, wer ich bin.

Ich möchte eine kleine Geschichte aus meiner Praktikumszeit erzählen, ehe ich mich dem Text der heutigen Predigt zuwende:

Im Verlauf meines Praktikums war ich auch immer wieder im Schulkinderhaus. Und in ihrer direkten Art haben die Kinder mich gefragt: „Wer bist du? Wie heißt du? Was machst du hier?“ Und natürlich habe ich ihnen geantwortet und erklärt, was ich mache. Und sie haben sich darüber ausgetauscht und einander erzählt, wer dieser fremde Mann mit Bart eigentlich ist. Als ich dann einige Tage später in die Schule hinübergegangen bin, um die Hausaufgabenbetreuung vorzubereiten, platzte ich unfreiwillig in eine Unterrichtsstunde hinein. Ehe ich noch irgendetwas sagen konnte, waren die Kinder aufgestanden, sprachen im Chor: „Guten Morgen, Michael!“ und setzten sich wieder hin. Danach war große Aufregung im Klassenzimmer und die Lehrerin hatte ihre Mühe, die Kinder wieder ruhig zu bekommen.

An dieses kleine Erlebnis musste ich denken, als ich mich mit dem Predigttext auseinandergesetzt und damit begonnen habe, diese Predigt auszuarbeiten.

(12) Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme, 13nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel!

Die Kinder springen auf, weil sie wissen, wer das ist, der da in der Tür steht. Und sie grüßen ihn bei seinem Namen. Wobei ich hier dazu sagen muss, dass ich von den Kindern so einige Namen bekommen habe.

(17) Das Volk aber, das bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmte die Tat. (18) Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan.

Nur weil die Kinder sich untereinander ausgetauscht haben, wissen sie, wer ich bin und können mich dementsprechend begrüßen, selbst, wenn sie noch gar nicht mit mir persönlich zu tun hatten.

Die Situation, die im Johannesevangelium beschrieben wird, ist eine ganz ähnliche. Die Menschen in Jerusalem haben von Jesus gehört, kennen Erzählungen und Berichte über die Wunder, die er getan hat. Sie haben gehört, dass er Blinden das Augenlicht zurückgegeben hat, dass er Lahme wieder gehen ließ und dass er Lazarus wieder zum Leben erweckt hat.

Als sie hören, dass Jesus auf dem Weg nach Jerusalem ist, ziehen die Menschen ihm entgegen. Sie rufen ihn an und preisen ihn als den König von Israel. Ihre tief verankerte Hoffnung auf den Messias, der sie von der Fremdherrschaft durch die Römer befreit, drückt sich in diesen Worten aus.

Vor allem aber sind die Menschen neugierig. Sie wollen diesen Wundertäter kennenlernen. Sie wollen ihn mit eigenen Augen sehen. Sie wollen wissen, ob er wirklich der Messias ist und ob er Israel wieder als eigenständigen Staat errichten wird.

Aber wollen sie vielleicht auch in seiner Herrlichkeit baden? Glauben wirklich alle von denen, die ihm entgegenziehen, dass er der Messias ist? Oder sehnen sich diese Menschen nach einer Attraktion, wollen sie ihn begaffen und drängt es sie in seine Nähe, wie in die Nähe eines aufsteigenden Superstars?

Das 1971 uraufgeführte Rockmusical „Jesus Christ Superstar“ setzt sich genau mit diesen Fragen auseinander. Jesus wird als ein Star dargestellt, begleitet von seinen Groupies, die im Grunde genommen nur auf ihren eigenen Ruhm bedacht sind, in der Hoffnung, diesen aufgrund ihrer Freundschaft zu Jesus zu bekommen. Dort wird die Situation sogar noch verschärfter dargestellt. Nicht die fremden Menschen aus Jerusalem, sondern die Jünger Jesu wollen die Nähe zu ihm nutzen, um selbst ihren Vorteil daraus zu ziehen.

Überspitzt wird hier wie dort die Sehnsucht des Menschen nach Bedeutung herausgearbeitet. Im Radio ist dieser Tage eine Werbung geschaltet, in der es zum Schluss heißt: „Wer von niemandem beneidet wird, ist nichts wert!“ Aus der eigenen Angst heraus, bedeutungslos zu sein, suchen wir die Nähe und den Kontakt zu den Menschen, die uns bedeutungsvoll und wichtig erscheinen. Es ist diese trügerische Hoffnung, dass der Ruhm des anderen, auf mich selbst abfärbt und ich dadurch an Bedeutung gewinne.

Später werden sie es begreifen und sich enttäuscht von Jesus abwenden, ihn fallen lassen und sich sogar gegen ihn stellen.

(19) Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Die Pharisäer erkennen den Irrweg der Massen schon früher und sehen darin zugleich eine Gefahr. Sie wissen, dass man selbst nicht an Bedeutung gewinnt, nur indem man in den Schatten eines bedeutenden Menschen tritt. Sie wissen, dass die Menschen unter diesen Voraussetzungen nicht finden werden, wonach sie sich sehnen. Ganz im Gegenteil befürchten sie, dass diese blinde Masse der Groupies die Römer aufschrecken und zu eingreifenden Maßnahmen verleiten wird. Das wollen sie mit allen Mitteln verhindern. Sie wollen das Volk schützen und bewahren, merken dabei aber nicht, dass sie getrieben sind von Angst.

Diese Angst kennen wir alle. Sie begegnet uns in Situationen der Veränderung. Sie konfrontiert uns dann, wenn wir unsicher sind und nicht wissen, welcher Weg der richtige ist. Sie überfährt uns in Momenten des Misstrauens und lässt uns zweifeln.

Die Angst der Pharisäer vor Konsequenzen entsteht aus ihrem eigenen Misstrauen heraus. Sie glauben nicht, dass Jesus der Messias ist, sie zweifeln an der Wahrheit seiner Worte und halten ihn für einen Hochstapler.

Aber auch die Masse hat Zweifel. Die Leute haben von seinen Wundertaten gehört, aber sie wollen sich der Wahrheit der Worte vergewissern, wollen Jesus mit eigenen Augen sehen. Die Hoffnung treibt sie ihm entgegen. Die Hoffnung, die aus ihrer Unwissenheit und Ungewissheit entsteht. Dass sie, indem sie ihn sehen, keine Gewissheit erlangen können, wissen sie nicht.

(14) Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): (15) »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.«

(16) Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so mit ihm getan hatte.

Nicht nur die Massen begreifen nicht. Nicht nur die Pharisäer erkennen nicht, welche Bedeutung Jesus tatsächlich hat. Auch seine Jünger, seine engsten Vertrauten und Freunde verstehen nicht, welchen Weg er gehen muss und warum er diesen Weg geht.

Erst später, nachdem er am Kreuz gestorben und zum Himmel aufgefahren ist, erkennen sie rückblickend die Bedeutung der Geschehnisse und Handlungen. Rückblickend verstehen sie, warum Jesus auf einem Eselsfohlen nach Jerusalem eingeritten ist, begreifen, dass dadurch die prophetischen Worte Sacharjas erfüllt wurden.

Und darin sehe ich die entscheidende Botschaft des heutigen Predigttextes, die die Gruppe der Groupies, der Pharisäer und der Jünger miteinander verbindet und zugleich bis in unsere heutige Zeit wirkt.

Wie oft erkennen wir erst im Rückblick, mit etwas zeitlichem Abstand, warum die Dinge sich so entwickelt haben, wie sie sich entwickelt haben? Wie oft begreifen wir die Bedeutung von Handlungen und Geschehnissen erst im Nachhinein? Wie oft wird uns erst nachträglich bewusst, wer uns wirklich geprägt und was uns wirklich auf den Weg geleitet hat, den wir eingeschlagen haben?

Das soll uns aber nicht dazu verleiten, nur noch zurückzuschauen. Ganz im Gegenteil ist der Blick zurück nur der erste Schritt, um bewusster zu leben und vor allem ist es eine unglaubliche Hilfe in Situationen, die schwierig und unüberschaubar wirken, die uns überfordern und ängstigen.

Die Trennung meiner Eltern vor 14 Jahren hat mich damals schwer getroffen. Ich habe mich gefragt, womit ich diesen Schmerz verdient habe, wofür Gott mich strafen wollte, habe ihn angeklagt und verurteilt als ungerechten Gott. Inzwischen hat sich mein Blick verändert. Ich bewerte meine Erfahrungen anders, sehe darin keine ungerechte, unverdiente Strafe mehr. Im Gegenteil erkenne ich in diesen schmerzhaften Erlebnissen ein Geschenk. Ich bin auf ganz individuelle Art und Weise geformt worden zu dem, der ich nun bin, mit den Stärken und Gaben, die mich auszeichnen. Daraus schöpfe ich Kraft und wann immer ich in schwierige und beängstigende Situationen komme, erinnere ich mich daran, dass darin immer eine Chance liegt. Die Chance sich weiterzuentwickeln und im Vertrauen auf Gott meinen Weg zu gehen.

Der Blick zurück ebnet den Weg nach vorn.

Das haben die Jünger schließlich auch verstanden. Und auch sie haben Kraft und Stärke daraus gewonnen. Das daraus entstehende Urvertrauen in Gott hat ihren Weg, den Weg der Apostel und den Weg des Christentums geebnet.

Aber wie ist das mit Jesus? Wie verhält er sich? Schaut er auch zurück, um nach vorne zu gehen?

Wir alle suchen Bedeutung, streben nach Anerkennung, wollen Beachtung finden. Als Jesus in Jerusalem einreitet und die Menge ihm zujubelt, wird ihm auf überschwängliche Art und Weise Anerkennung entgegengebracht.

Viele unter uns kennen sicherlich dieses Gefühl. Der Applaus nach einem Vortrag, der Jubel nach einem erfolgreichen Auftritt. Wenn wir solche Rückmeldungen bekommen, fällt es uns leicht, weiterzumachen, unseren Weg weiterzugehen, auch in Zukunft wieder die Bühne zu betreten und unser Können zu präsentieren, uns zu präsentieren.

Aber wie verhalten wir uns, wenn der Jubel ausbleibt? Was machen wir, wenn uns Ablehnung entgegenschlägt? Haben wir auch dann die Stärke, weiterzumachen? Wie groß ist dann unsere Überzeugung von dem, was wir tun uns wer wir sind?

Jesus muss genau diese Erfahrungen machen. Bei seinem Einzug nach Jerusalem jubeln die Leute ihm noch zu, preisen und verehren ihn als den neuen König von Israel. Wenige Tage später schlägt die Stimmung komplett um. Die Menge ruft nicht mehr „Hosianna!“, sie schreit „Kreuzigt ihn!“.

Jesus aber geht seinen Weg weiter. Er ist fest davon überzeugt, diesen Weg beschreiten zu müssen, so schmerzhaft und leidvoll er auch sein mag. Er tut es aus der Überzeugung heraus, sich für alle opfern zu müssen und kann diesen Weg gehen, aufgrund seiner unendlichen Liebe zu uns Menschen.

Jesus opfert sich nicht wie ein einfacher Märtyrer für seine Überzeugung, sondern er opfert sich als Beweis dieser unendlichen Liebe.

In dieser Tragweite können wir ihm nicht nachfolgen. Und doch wird eines darin deutlich, was uns direkt betrifft und uns eine Hilfe im Leben sein kann.

Der Blick zurück hilft uns, Kraft aus unseren Erfahrungen zu ziehen und ermöglicht uns so den Weg nach vorn.

Der Blick nach vorn, auf unser Ziel, auf das, wofür wir kämpfen, wofür wir brennen und uns begeistern, kann ebenso eine Kraftquelle und Stärke sein. Auch in Situationen, in denen uns Gegenwind entgegenschlägt, in denen unsere Überzeugung auf die Probe gestellt wird, können wir diese Kraft nutzen, um weiterzugehen.

Und wenn der Gegenwind uns ablenkt und unseren Weg verändert, so wie das Segelboot gegen den Wind ankreuzen muss, dann sollten wir auch darin eine Chance sehen, voranzukommen.
Unser Lebensschiff steuert dann zwar nicht direkt auf unser Ziel zu, aber wir behalten es im Auge. Und wenn wir unsicher sind, was eigentlich unser Ziel ist, eröffnet sich uns vielleicht gerade durch diese Umwege und durch neue Erfahrungen das Ziel, auf das wir zusteuern.

Jesus geht seinen Weg, weil er sich von von Gott Vater begleitet weiß und auch wir können unseren Weg gehen in der Gewissheit von Gott begleitet zu sein.

Amen.